Yoga trotz Scham: Wie ich mich im Studio wohlgefühlt habe
Der Entschluss, in ein Yogastudio zu gehen, fiel mir schwer, weil mein Körperbild lange von Scham geprägt war. Schon der Gedanke an eine Matte zwischen anderen Menschen löste das Bild in mir aus, zu dick für einen Sportplatz zu sein. Ich wollte bewegen, brauchte aber einen Ort, an dem ich meinen Körper nicht rechtfertigen oder verborgen halten musste.
Noch vor dem ersten Termin suchte ich ein kleines Studio in Augsburg, dessen Website keine Hochglanzbilder versprach. Ich schrieb der Kursleiterin, ob unterschiedliche Körpergrößen willkommen seien, und klärte außerdem, welche Hilfsmittel zur Verfügung stehen. Ihre nüchterne Antwort gab mir mehr Sicherheit als jedes Inspirationsbild: Hier musste niemand einen Idealzustand vortäuschen.
Die Angst vor dem ersten Schritt
Unterwegs ins Studio wurde mein Herz schneller. Auf dem Sitz neben mir lag ein dünner Beutel mit SportsBH, Leggings und einem Handtuch, darunter ein sweatshirt, den ich eigentlich hatte zu Hause lassen wollen. Ich malte mir aus, wie Menschen in Bewegungshosen mein Bauchfell ansahen und wie ich jede spannende Stelle sofort korrigieren würde.
Am Abend betrat ich den Kursraum möglichst unauffällig. Meine Tasche Versteckte ich hinter dem Rack und suchte eine Matte am Rand. Als die Kursleiterin begrüßte, erwähnte sie spontan, dass jede Position eine individuelle Form bekommen dürfe. Niemand kommentierte meine Größe. Wenigstens in diesem Moment fühlte ich mich nicht sofort sichtbar.
Die Kursleiterin sprach ruhig über Atmung und Aufmerksamkeit, nicht über Gewicht oder Aussehen. Ihre Worte wirkten beiläufig, genau deshalb glaubte ich ihnen. Ich hatte befürchtet, dass eine Kursleiterin meine Beweglichkeit mit tips zu Lücken füllen würde. Stattdessen wurde meine Matte genauso behandelt wie die der übrigen Teilnehmenden.
Meine Scham vor der Matte
In den ersten Wochen konzentrierte ich mich beim Aufstehen darauf, ob mein Bauch über den Bund der Leggings reichte. Bei Yoga-Übungen wie dem Baum wusste ich nicht, wohin mit den Beinen, während mein Körper bereits unruhig wurde. Schweiß auf der Stirn, die enge Kleidung und das schnelle Atmen ließen mein altes Gefühl zurück, mich beobachten zu müssen.
Besonders schwer fiel mir das Liegen auf dem Rücken. Daneben lag eine Frau, deren Beine sich selbstverständlich in verschiedene Positionen schoben, während ich versuchte, meine Oberschenkel unter mir zu verstecken. In der Pause trank ich Wasser und vermied den Blick in die Umkleide. Ich war erleichtert, dass niemand Gespräche über meinen Körper anfing.
Mit den Wochen veränderte sich die Scham, ohne dass sie sofort verschwand. Ich bemerkte weiterhin Unterschiede zwischen den Körpern im Raum, doch dachte ich seltener darüber nach, welche Form sie bevorzugen. Mein eigener Körper war kein trostloses Bild mehr. Er war vorhanden, beweglich und beanspruchte den Platz auf der Matte genauso wie jeder andere Körper.
Was mir die Praxis verhalf
Yoga veränderte vor allem meinen Umgang mit Aufmerksamkeit. Eine Haltung konnte unangenehm sein, ohne dass ich sie als Beweis für einen mangelhaften Körper deutete. Wenn ichBalance verlor, begegnete mir die Kursleiterin mit einem ruhigen Hinweis auf die Atmung. Mein innerer Kritik wurde leiser, während ich lernte, eine Position mehrere Atemzüge zu halten.
Technisch halfen mir Decken, Kissen und Blöcke. Für das Vorbeugen brauchte ich anfangs einen bolster, weil meine Oberschenkel noch nicht weit genug kamen. Niemand nannte diese Unterstützung einen Rückschritt. Ich richtete mich auf etwas, das zu meinem Körper passte, und konnte die Übung trotzdem so ausführen, dass sie mich körperlich und mental ansprach.
Nach jeder Stunde fühlten sich meine Schultern freier an, während mein Kopf nicht völlig ruhig war. Manche Gedanken über Essen, Shopping oder Aussehen kehrten zurück. Das war kein dauerhafter Sieg gegen meine Scham. Yoga beseitigte sie nicht, aber sie gab mir eine Unterbrechung, in der ich mich wieder wie ein Mensch fühlte, der gerade etwas mit sich macht.
Kleidung, die mir Sicherheit gab
Vor jeder Stunde wählte ich Kleidung, in der ich mich frei bewegen konnte. Dunkle Farben waren lange meine sicherste Wahl, weil ich dachte, sie würden mich schlanker wirken lassen. Später probierte ich auch helle Oberteile aus. Wichtig war vor allem, dass der Stoff nicht über meinen Bauch spannte und die Bewegungen nicht unbeachtlich blieb.
In meinem Test nachhaltiger Sneaker für große Größen habe ich besonders auf eine stabile Sohle und ausreichend Platz geachtet. Beim Weg zum Studio und bei Spaziergängen sorgten die Sneaker für gute Stabilität. Die Passform am Fuß gab mir dabei ein Gefühl von Bodenhaftung, das sich auf die Haltung auf der Matte übertrug.
Auch nach dem Sport zog ich mich nicht sofort in enge Jeans. Ich wählte weiche Stoffe, legte das feuchte T-Shirt über einen Stuhl und gönnte mir Zeit. Diese kleinen Handlungen wirkten beiläufig, doch sie waren Teil meines Erlebens. Ich behandelte meinen Körper nicht als Hindernis auf dem Weg zu einem besseren Leben. Ich versuchte, die Situation angenehm für ihn zu gestalten.
Ein Studio, das mich aufnahm
Ein gutes Studio erkennt man für mich daran, wie offen mit Bodies umgegangen wird. Es gibt ausreichend Platz, Hilfsmittel werden selbstverständlich angeboten, und körperbezogene Ratschläge bleiben frei von Abwertungen. Wichtig war auch die Möglichkeit, eine Übung auszulassen, ohne sich vor der Gruppe zu erklären. Diese Form von Freiheit half mir, den Raum wieder aufzusuchen.
Bei einer kurzen Reise nach München habe ich meinen plus-size-freundlichen Hotelkit eingepackt, damit ich auch unterwegs Kleidung tragen konnte, in der ich mich wohlfühlte. Bequeme Stoffe, passende Unterwäsche und genügend Platz in den Koffern halfen mir, den Ortswechsel nicht mit einer Prüfung meines Körpers zu verbinden. Komfort war unterwegs genauso wichtig wie daheim.
Heute betrete ich das Studio nicht mehr mit dem Gefühl, eine Prüfung bestehen zu müssen. Manche Vorahnung kehrt zurück, besonders wenn der Raum voll ist. Doch ich setze mich auf die Matte und warte auf meinen Atem. Die Übungen erinnern mich daran, dass mein Körper nicht erst dann wertvoll wird, wenn er einer certain Norm entspricht.
Teilt eure Erfahrungen mit Yoga, Bewegung oder einem Studio, in dem ihr euch sicher gefühlt habt. Eure Geschichten können anderen Menschen zeigen, dass ein erster Schritt weniger allein vergeht, als es initially wirkt.