Secondhand im Umland: Mein nachhaltiger Ausflug mit echten Funden
Seit ich bewusster konsumiere, hat sich mein Blick auf Mode verändert. Weg von schnellen Trends, hin zu Stücken mit Geschichte. Secondhand ist für mich längst keine Notlösung mehr, sondern eine bewusste Entscheidung gegen die Wegwerfkultur. Beim Stöbern durch gut sortierte Läden spüre ich jedes Mal diese besondere Vorfreude: Was wird mich heute erwarten? Welches Kleidungsstück erzählt mir seine Geschichte?
Der Gedanke, für einen Shopping-Tag ins Umland von Augsburg zu fahren, kam mir an einem verregneten Sonntagmorgen. Raus aus der Stadt, raus aus den gewohnten Ketten und rein in kleinere Läden, die ich online entdeckt hatte. Ein Vintage-Store in einer kleinen Stadt, ein Flohmarkt am Seeufer, vielleicht ein Hofladen mit angeschlossener Kleiderkammer. Alles klang nach einem perfekten Tag für nachhaltiges Stöbern.
Dabei reizte mich vor allem die Kombination aus Natur, Ruhe und Konsumkritik. Wer mit dem Zug durch das bayerische Umland fährt, sammelt Eindrücke, die in keinem Einkaufszentrum zu finden sind. Hinzu kommt: In kleineren Orten sind die Stücke oft sorgfältiger ausgewählt, die Preise fairer und die Atmosphäre persönlicher.
Bevor ich losfuhr, machte ich mir eine kleine Liste. Keine klassische Einkaufsliste, sondern eher ein Leitfaden: Welche Farben fehlen noch? Welche Schnitte schmeicheln meiner Figur? Welche Materialien sind mir wichtig? Leinen, Bio-Baumwolle, Wolle. Alles, was langlebig ist und sich gut reparieren lässt.
Die Idee hinter dem Ausflug
Mode muss nicht neu sein, um schön zu sein. Diese Überzeugung begleitet mich durch jeden Kleiderschrank-Check. Secondhand-Kleidung schont Ressourcen, reduziert Müll und gibt Stoffen eine zweite Chance. Während gefühlt drei neue Kollektionen pro Saison durch die Onlineshops gejagt werden, ist der Griff zum gebrauchten Stück ein kleines Statement.
Mir geht es nicht um Verzicht. Im Gegenteil. Ich entdecke immer wieder Einzelstücke, die ich in keinem neuen Sortiment finden würde: eine Bluse mit feinen Stickereien aus den Neunzigern, ein Blazer mit Schulterpolstern, der wunderbar oversized sitzt, ein Rock, der an die Siebziger erinnert und trotzdem modern wirkt. Secondhand ist ein Paradies für alle, die Mode lieben und auf ihren ökologischen Fußabdruck achten.
Für meinen Plus-Size-Alltag ist das besonders spannend. Größen ab 44 findet man in herkömmlichen Läden oft nur in wenigen Schnitten. Auf dem Gebrauchtmarkt ist die Auswahl überraschend groß, weil viele Menschen Kleidung in größeren Größen abgeben, die nie richtig getragen wurde. Hinzu kommen hochwertige Marken, die sich neu kaum jemand leisten würde.
Auf dem Weg ins Umland
Der frühe Morgen startete mit Kaffee und einer aufgeräumten Tasche. Wasserflasche, ein Snackpäckchen, Stoffbeutel für Funde und mein Portemonnaie mit einem klaren Tagesbudget. Ohne Limit kommt man mit viel zu viel nach Hause, mit Limit bleibt das Stöbern trotzdem ein Vergnügen.
Die Regionalbahn brachte mich in unter einer Stunde ans erste Ziel. Unterwegs las ich Bewertungen zu den Läden, sortierte Adressen und schaute Öffnungszeiten. Es lohnt sich, vorab zu recherchieren, denn inhabergeführte Geschäfte haben oft ungewöhnliche Zeiten. Die Landschaft zog vorbei: Felder, kleine Wälder und vereinzelte Höfe. Je weiter ich mich von Augsburg entfernte, desto ruhiger wurde es. Eine willkommene Mischung aus Natur und Stadtflucht.
Erste Station: Ein kleiner Vintage-Laden
Der erste Laden war unscheinbar von außen, innen ein echtes Kleinod. Wände voller Kleiderstangen, Regale mit sorgfältig gefalteter Strickware und eine Sitzecke, in der eine ältere Dame Häkeldecken verkaufte. Sie war die Besitzerin und erzählte mir, dass sie vor fünf Jahren aus einem Nähkurs heraus begonnen hatte, gebrauchte Kleidung zu sammeln und aufzubereiten.
Ich stöberte zwei Stunden zwischen Blusen, Kleidern und Röcken. Eine hellgrüne Leinenbluse mit Perlmuttknöpfen sprang mir sofort ins Auge. Sie passte wie angegossen, hatte einen fließenden Stoff und fühlte sich hochwertig an. Für acht Euro wanderte sie in meinen Beutel, ein Schnäppchen im Vergleich zu ähnlichen neuen Modellen.
Daneben entdeckte ich einen kurzen Cordrock in Dunkelrot, perfekt zu meinen Lieblingsstrumpfhosen. Cord wird mit den Jahren schöner, und dieses Stück schien schon einiges erlebt zu haben. Die Besitzerin erklärte, dass sie alle Stücke vor dem Verkauf wäscht, bügelt und kleine Reparaturen vornimmt. Diese Sorgfalt merkt man auch beim Tragen.
Zweite Station: Flohmarkt am Seeufer
Weiter ging es mit dem Bus zum nächsten Highlight. Ein kleiner Flohmarkt hatte sich am Ufer eines Sees ausgebreitet, mit Ständen von selbst gestrickten Schals bis zu antikem Besteck. Die Luft roch nach Kaffee, Gras und Sonnencreme, Kinderlachen mischte sich mit dem Klappern von Geschirr.
Mode fand sich eher zwischen den Tischen. In einer Holzkiste mit der Aufschrift „Alles fünf Euro" stöberte ich nach Stoffen. Ein Oversized-Hemd aus dünner Baumwolle mit feinen Streifen hatte es mir angetan. Groß genug als Jackenersatz, klein genug für den nächsten Städtetrip.
Am Stand einer jungen Frau, die auf nachhaltige Mode spezialisiert ist, kam ich ins Gespräch. Sie verkauft ausschließlich Stücke aus eigener Aufarbeitung, also aussortierte Kleidung, die sie schneidert, färbt oder bestickt. Sie zeigte ihre Skizzenbücher und erklärte, wie sie aus Herrenhemden sommerliche Blusen zaubert. Upcycling in seiner schönsten Form und eine schöne Inspiration für meine eigenen Stücke.
Plus-Size, ehrlich und mit Stil
Über Mode in großen Größen wird viel diskutiert, und nachhaltige Marken sind oft erst spät auf den Zug aufgesprungen. Umso wichtiger ist es, hinzuschauen, welche Labels wirklich ab Größe 46 sortieren. Auf meinen Secondhand-Touren achte ich besonders auf Marken, die Curvy-Schnitte schon immer im Programm hatten, etwa skandinavische Brands oder klassische deutsche Hersteller. Mehr zum Thema findest du in meinem Beitrag zur Modenschau, den ich im vergangenen Jahr veröffentlicht habe.
Eine Erkenntnis bestätigte sich wieder: Qualität und Passform sind bei Secondhand oft besser als bei schneller Neuware. Wer ein Kleidungsstück trägt und weiterverkauft, sortiert vorher aus, was nicht passt. Was bleibt, ist meistens durchdacht, langlebig und ehrlich im Material. Meine neuen Stücke kombiniere ich am liebsten mit Basics, die ich schon lange besitze: das Leinenhemd zur Marlenehose, der Cordrock zum schwarzen Rolli. So entstehen Outfits, die nicht jede Saison neu eingekauft werden müssen.
Meine liebsten Funde im Überblick
Am Ende des Tages war mein Stoffbeutel deutlich voller als geplant, aber mein Gewissen leicht. Drei echte Lieblingsstücke durften mit: die hellgrüne Leinenbluse mit Perlmuttknöpfen, der dunkelrote Cordrock und das gestreifte Oversized-Hemd. Zusammen haben sie keine fünfzig Euro gekostet, und alle drei sind Einzelstücke, die niemand sonst tragen wird.
Kombiniert mit Basics aus meinem Schrank ergeben sie mehrere neue Outfits für den Alltag, das Büro und entspannte Wochenendausflüge. Die Leinenbluse passt wunderbar zur Lieblingsjeans, der Cordrock zu einem schlichten weißen Shirt. So entsteht Schritt für Schritt ein Kleiderschrank, der nicht nur gut aussieht, sondern auch eine Geschichte erzählt.
Was bleibt, ist die Erinnerung an einen Tag, der nachhaltiger kaum hätte sein können. Ich bin Zug gefahren, habe regional eingekauft, kleine Läden unterstützt und meinen Kleiderschrank sinnvoll ergänzt. Wer Lust auf mehr solcher Geschichten rund um bewusste Mode hat, schaut sich gerne auf dem Blog um oder folgt mir auf Instagram für tägliche Inspiration. Alle rechtlichen Hinweise zu meinen Beiträgen findest du im Impressum.