Magazin-Tipp: Drei Body-Positive-Zeitschriften zum Lesen
Zwischen sorgfältig kuratierten Modebildern, persönlichen Essays und gesellschaftlichen Debatten suche ich immer wieder nach Medien, in denen Körper nicht bewertet, versteckt oder als Sonderfall behandelt werden. Body-Positive-Zeitschriften können dabei viel mehr leisten als Inspiration für den nächsten Einkauf: Sie verändern den Blick auf Mode, Schönheit und Sichtbarkeit.
Mein Magazin-Tipp „Drei Body-Positive-Zeitschriften, die ich lese“ ist deshalb eine persönliche Auswahl. Die drei Publikationen setzen unterschiedliche Schwerpunkte, überschneiden sich aber bei einem wichtigen Thema: Menschen sollen sich in ihrer Vielfalt wiederfinden und ihre Kleidung, ihren Körper sowie ihre Lebensweise selbstbewusst gestalten dürfen.
Ich lese solche Magazine mit dem Blick einer Plus-Size-Bloggerin aus Augsburg. Mich interessieren tragbare Outfits, neue Perspektiven und Geschichten, die nicht glattgebügelt wirken. Genau diese Mischung aus Mode, Haltung und Alltag macht die folgenden Zeitschriften für mich besonders lesenswert.
Warum Körpervielfalt redaktionelle Räume braucht
Viele klassische Modemagazine zeigen Plus-Size-Körper noch immer nur in einzelnen Themenschwerpunkten oder im Rahmen einer kurzfristigen Trendgeschichte. Ein wirklich diverses Magazin behandelt unterschiedliche Körperformen dagegen als selbstverständlichen Teil seiner Bildsprache. Das verändert die Wirkung eines Looks: Kleidung erscheint nicht länger als Belohnung für eine bestimmte Figur, sondern als Ausdruck von Persönlichkeit.
Body Positivity bedeutet für mich außerdem, dass verschiedene Lebensrealitäten nebeneinander bestehen dürfen. Es geht um Mode und Styling, aber ebenso um mentale Gesundheit, Rassismuserfahrungen, Behinderung, Alter, Geschlechtsidentität und finanzielle Möglichkeiten. Ein gutes Magazin schreibt niemandem vor, wie Selbstliebe auszusehen hat. Es bietet Anregungen, ohne eine neue Norm zu schaffen.
Gerade deshalb achte ich beim Lesen auf die Perspektive hinter einem Beitrag. Wer wird fotografiert? Wer kommt zu Wort? Werden Größen, Schnitte und Materialien konkret beschrieben? Und bleibt Raum für Ambivalenz? Diese Fragen helfen mir, zwischen reiner Werbebotschaft und echter redaktioneller Auseinandersetzung zu unterscheiden.
Curvy Magazine verbindet Mode mit Alltag
Das Curvy Magazine ist für mich die naheliegendste Anlaufstelle, wenn ich gezielt nach Plus-Size-Fashion, Trends und Stylingideen suche. Besonders mag ich, wenn ein Outfit nicht als unnahbarer Editorial-Look präsentiert wird, sondern mit Informationen zu Kombinationsmöglichkeiten, Proportionen und verschiedenen Anlässen verbunden ist. So entsteht Inspiration, die sich in den eigenen Kleiderschrank übersetzen lässt.
Spannend finde ich die Balance zwischen aktuellen Trends und tragbaren Grundlagen. Kräftige Farben, auffällige Muster oder ein neuer Schnitt werden nicht automatisch als „mutig“ etikettiert, nur weil sie an einem größeren Körper gezeigt werden. Diese Selbstverständlichkeit ist wohltuend. Ein Blazer darf einfach ein Blazer sein, ein Kleid darf Spaß machen und ein monochromes Outfit darf elegant wirken, ohne dass der Körper zuerst erklärt werden muss.
Auch bei Plus-Size-Magazinen schaue ich genau hin, ob die vorgestellten Größen tatsächlich erreichbar sind. Eine glaubwürdige Berichterstattung nennt deshalb möglichst konkrete Größenläufe, Passformen und Hinweise zur Verarbeitung. Wer nach neuen Outfitideen sucht, kann anschließend auch in meiner Plus-Size-Fashion stöbern und sehen, wie sich Trends in persönlichen Looks wiederfinden lassen.
Missy Magazine erweitert den Blick auf Schönheit
Missy Magazine lese ich vor allem dann, wenn ich über Mode hinausdenken möchte. Das feministische Magazin verbindet Popkultur, Politik, Gesellschaft und Lifestyle. Körperbilder sind dabei kein isoliertes Thema, sondern Teil größerer Fragen: Wer gilt als schön? Welche Körper werden begehrt oder sexualisiert? Wer darf laut, sichtbar und unangepasst sein?
Die Texte geben mir oft Denkanstöße, die noch lange nachwirken. Sie hinterfragen Schönheitsnormen, sprechen über Care-Arbeit, Klassismus oder die Darstellung von Frauen in Medien und Werbung. Gerade diese Verbindung macht die Beiträge relevant für Plus-Size-Leserinnen: Kleidungsfragen werden nicht losgelöst von den gesellschaftlichen Bedingungen betrachtet, in denen wir uns bewegen.
An Missy schätze ich außerdem den Ton. Die Beiträge dürfen pointiert und politisch sein, ohne jede persönliche Erfahrung zur allgemeinen Regel zu erklären. Das ist ein wichtiger Unterschied zu vielen Lifestyle-Formaten, die Body Positivity auf ein paar motivierende Sprüche reduzieren. Für mich entsteht dadurch eine glaubwürdige Ergänzung zu klassischer Modeinspiration.
RosaMag macht Vielfalt konkret und sichtbar
RosaMag richtet sich als Online-Magazin vor allem an Schwarze FLINTA*. Die Themen reichen von Kultur und Beauty bis zu Gesundheit, Politik und persönlichem Alltag. Für meine Leseliste ist das Magazin wichtig, weil es Perspektiven sichtbar macht, die in deutschsprachigen Lifestyle- und Modemedien lange zu wenig Raum bekommen haben.
Besonders wertvoll finde ich, dass Schwarze Lebensrealitäten nicht als dekorative Ergänzung auftauchen. Autorinnen und Gesprächspartnerinnen sprechen aus ihrer eigenen Erfahrung und setzen die Themen selbst. Das gilt auch für Beauty: Haarpflege, Make-up und Haut werden differenziert behandelt, statt sich an einer einzigen europäischen Norm zu orientieren.
RosaMag erinnert mich daran, dass Body Positivity nicht automatisch intersektional ist. Ein größeres Model in einer Kampagne bedeutet noch keine umfassende Repräsentation. Körpergröße, Hautfarbe, Behinderung, Alter und Geschlechtsidentität können sich überschneiden und unterschiedliche Barrieren erzeugen. Wer sich mit Körpervielfalt beschäftigt, sollte diese Unterschiede mitdenken.
Mein Lesevergleich im Alltag
Die drei Magazine erfüllen für mich unterschiedliche Aufgaben. Curvy Magazine liefert konkrete Modeimpulse, Missy Magazine öffnet den gesellschaftlichen Diskurs und RosaMag sorgt für wichtige Perspektiven auf Repräsentation. Dadurch greife ich je nach Stimmung und Interesse zu einer anderen Publikation.
| Magazin | Schwerpunkt | Was ich besonders schätze | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Curvy Magazine | Plus-Size-Mode, Trends und Styling | Tragbare Outfitideen und modische Selbstverständlichkeit | Leserinnen auf der Suche nach konkreter Fashion-Inspiration |
| Missy Magazine | Feminismus, Popkultur und Gesellschaft | Kritische Texte zu Körperbildern und Schönheitsnormen | Menschen, die Mode im gesellschaftlichen Kontext lesen möchten |
| RosaMag | Schwarze Perspektiven, Kultur, Beauty und Alltag | Intersektionale Sichtbarkeit und selbstbestimmte Stimmen | Leserinnen, die vielfältige Lebensrealitäten entdecken möchten |
Beim Lesen achte ich auch darauf, ob ein Magazin verschiedene Körper nicht nur abbildet, sondern ihnen Handlungsmacht zugesteht. Das klingt zunächst abstrakt, zeigt sich aber in vielen Details: in der Bildauswahl, in der Sprache, in der Themenplanung und in der Frage, ob Menschen als Expertinnen ihrer eigenen Geschichte behandelt werden.
Was ich aus den Beiträgen in meinen Kleiderschrank mitnehme
Die wichtigste Erkenntnis aus meiner Lektüre lautet: Stil beginnt nicht bei einer Kleidergröße. Natürlich sind Passform, Schnitt und Material wichtig, besonders wenn Modeangebote für größere Größen begrenzt sind. Trotzdem sollte die Suche nach einem guten Outfit nicht mit dem Versuch beginnen, den eigenen Körper möglichst unauffällig zu machen.
Ich nehme aus den Magazinen vor allem die Erlaubnis mit, neugierig zu bleiben. Ein auffälliger Mantel, ein kurzer Rock, ein glänzender Stoff oder ein körpernaher Schnitt sind keine exklusiven Optionen für bestimmte Figuren. Kleidung darf Komfort geben, aber sie darf auch experimentell, glamourös, verspielt oder völlig unspektakulär sein.
Für meine eigenen Outfits helfen mir dabei einige einfache Leitlinien:
- Ich wähle Farben, Muster und Schnitte nach meinem persönlichen Geschmack und nicht nach vermeintlichen Regeln für „schmeichelnde“ Kleidung.
- Ich prüfe bei Trends, ob sie zu meinem Alltag, meinem Komfortgefühl und meinem vorhandenen Kleiderschrank passen.
- Ich achte auf konkrete Größenangaben und Passformbeschreibungen, statt mich allein von Produktfotos leiten zu lassen.
- Ich suche bewusst nach Medien, in denen unterschiedliche Körper und Lebensrealitäten selbstverständlich vorkommen.
- Ich behandle Body Positivity nicht als Pflicht, jeden Tag begeistert mit dem eigenen Körper zu sein.
Meine persönliche Leseliste bleibt in Bewegung
Eine gute Zeitschrift muss mich nicht in jedem Beitrag überzeugen. Manche Texte lese ich wegen der Mode, andere wegen einer neuen Perspektive oder eines Interviews, das eine vertraute Frage überraschend anders beantwortet. Gerade diese Mischung hält meine Leseliste lebendig und verhindert, dass Body Positivity zu einer einzigen, leicht konsumierbaren Botschaft wird.
Auch auf Plussize-Crush gehört diese Offenheit zum Konzept. Neben Outfits und Trends finden sich Reiseberichte, Hotelreviews, Beauty, Nachhaltigkeit, DIY, Rezepte und Drinks. Kooperationen und gesponserte Reisen kennzeichne ich transparent, damit persönliche Empfehlung und kommerzieller Kontext klar auseinanderzuhalten sind. Lesefreude und kritischer Blick schließen sich für mich nicht aus.
Wer außerdem Geschichten mit vielfältigen Hauptfiguren sucht, findet bei meinem Buchtipp zu body-positiven Heldinnen fünf Romane, die Körpervielfalt auf ganz unterschiedliche Weise erzählen. Solche Empfehlungen erweitern den Blick über Modezeitschriften hinaus und zeigen, wie selbstverständlich diverse Figuren in Literatur, Medien und Alltag sein können.
Nimm dir Zeit für die drei Magazine, blättere durch ihre aktuellen Beiträge und speichere dir Texte, Bilder oder Stylingideen, die dich wirklich ansprechen. Vielleicht entsteht daraus ein neuer Lieblingslook, ein spannender Denkanstoß oder einfach das gute Gefühl, mit der eigenen Sicht auf Körper und Mode nicht allein zu sein.